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Hey Mischka.
Also wenn es Dich nicht stört, dann geb ich weiterhin ein bisschen meinen Kommentar dazu. Mir fällt gerade nichts Besseres ein. Ab nächste Woche bin ich eh wieder ruhiger. Es gehört eigentlich nicht ins Berlin Forum, aber wenn hier schon mal das Thema startet, dann landet es eben auch hier.
Wegen Inline: Also ich fühle mich bei Inline auf jeden Fall selbständiger als bei der alten Firma. Ich zähle mal ein paar Punkte auf warum wenns recht ist:
1. Ich hab jetzt mein eigenes Funkgerät - Früher mußte ich fast jeden Tag zusätzlich zu den langen Arbeitsstrecken in die Zentrale fahren und das Gerät zum Laden abgeben.
2. Ich habe jetzt Scheckhefte dabei, die ich jedem Kunden geben kann falls er ein neues braucht. Früher mußte ich wiederum für jedes neue Scheckheft extra in die Zentrale fahren und bekam dafür keinen Cent. Das war oft sehr ärgerlich, besonders natürlich im Winter. Es gab Tage, an denen ich 4 oder 5 Scheckhefte ausfahren mußte und so bin ich 20 oder mehr Kilometer komplett umsonst gefahren und hatte nebenbei keinen Auftrag.
3. Ich kann die Schecks jetzt alle zwei Wochen in der Zentrale oder einem anderem Punkt zentral in der Stadt abgeben nach Datum sortiert. Früher mußte ich sie jede Woche abgeben und nach Kundennummer sortieren, was viel mehr Arbeit ist.
4. Ich weiß jetzt bei jedem Auftrag von wo er weggeht und wo er hingeht. Bei der alten Firma erfuhren die Fahrer die meiste Zeit nur den Abholort. Den Zielort erfuhren sie nicht, damit keiner hergeht und schlechte Aufträge von vornherein ablehnt.
5. Die Fahrer saßen oft stundenlang in ihren Autos außerhalb der Stadt und hatten keinen einzigen Auftrag. Der Disponent ließ sie da draussen stehen, wenn er innen zu viele Fahrer hatte. So war es an der Tagesordnung, daß über Funk geflucht und minutenlang geschrien und gestritten wurde, so daß kein anderer mehr Meldungen machen konnte. Sowas gibt es bei Inline grundsätzlich nicht, weil jeder das Recht hat seinen Freistellbereich zu verlassen und bei anderen Problemen wird die Dispo per Telefon angerufen und so die anderen Fahrer am Funk nicht behindert.
6. Die Rucksäcke die die Firma stellte waren unter allem Hund. Es waren Löcher drin, so daß bei Regen das Wasser drin stand und ich letzten Endes ein Handtuch reinlegen mußte um das Schlimmste zu vermeiden. Die Riemen waren total kaputt und die Farbe färbte ab auf die teuren Gore-Tex-Sachen. Die Kunden zögerten oft sogar, mir ihre Sendung in die Hand zu geben, wenn sie den Rucksack sahen bei Regenwetter. Immer wieder die Frage: "Ist der schon regensicher?", usw. Jetzt bei Inline der bagjack den ich gekriegt habe ist ok.
7. Die Abrechung die man bekam sah aus wie vom 17 Jahrhundert. Es war nicht einmal die Mehrwertsteuer richtig angegeben. Ich hab sie dann jedes Monat extra ausgerechnet und mit dem Stift dazugeschrieben. Bei Inline gibt es eine astreine Rechnung, so wie sie in der heutigen Zeit aussieht.
8. Oft kam es vor, daß er zu wenige Radler hatte und die Aufträge nicht wegbekam, so mußte ich dann schon beim ersten Auftrag Vollgas geben, damit ich die nächsten 2 oder 3, die ganz woanders waren noch mit letztem Hecheln vor der Reklamation ausliefern konnte. Bei Inline kommt sowas sehr selten vor. Es gibt einfach mehr Fahrer, die einen Großteil der Stadt abdecken können.
9. Neue Fahrer waren zu 75% (geschätzt) nicht länger in der Firma wie 3 Monate. Es gab nach 1 1/2 Jahren vielleicht noch 3 Fahrer, die ich von Anfang an hörte. Alle anderen waren neu oder Fahrer, die gleichzeitig aus Geldgründen noch für andere Firmen fuhren. Bei Inline sind einige, die von Anfang an dabei sind und immer noch fahren.
10. Wenn ein Fahrer ausfiel war oft die Hölle los. Ich hab mir z.B. mal mit Austern den Magen verdorben und hatte wahrscheinlich sowas wie eine Fischvergiftung. Ich fuhr trotzdem, wurde aber immer schwächer und meine Glieder schmerzten. Ich gab Bescheid, daß ich keinen Auftrag mehr fahren kann, weil ich irgendein starkes Problem mit dem Magen hab. Daraufhin ist er fast ausgerastet und hat mich über Funk zur Sau gemacht, weil er sonst keinen mehr hat, der den Auftrag fahren kann (die anderen hat er sich mit seinen Ausrasttyraden alle davor schon vergrault). Die Aufträge waren mitten in der Stadt, da wo es normalerweise kein Problem ist, einen anderen Kurier hinzuschicken. Sie warfen mir das wochenlang vor und ab da an nahmen sie mich nicht mehr richtig ernst.
Bei Inline kann man aufhören wann man will und es wird einem noch dazu ein schöner Tag gewünscht.
11. Ich hatte nicht wirklich die Möglichkeit mich während des Tages abzumelden für Pausen. Wenn Aufträge kamen mußten die bedingungslos gefahren werden. Irgendwann verschlechterte sich mein Gesundheitszustand. Mein linkes Knie war ziemlich kaputt. Ich sagte klipp und klar, daß ich ab sofort Mittags eine Pause machen werde, weil ich sonst nicht weiter fahren werde. Scheinheilig meinten sie noch: "Klar, sagen Sie einfach Bescheid!" - In der Realität sah es aber anders aus. Ich wurde über Funk und Handy terrorisiert, wenn ich beim Mittagessen war und es wurde verlangt, daß ich mein Essen stehenlassen soll um einen Auftrag zu holen. Ein paar Male ging ich für das Wohl der Firma noch darauf ein, dann aber nicht mehr. Ab da an bekam ich dann immer weniger Aufträge, auch wenn ich fit war und es bekamen neue Leute die Aufträge, die vor meiner nase lagen, obwohl sie noch viel weiter weg waren. Ich wurde als Fahrer boykottiert, weil ich Mittagspause machte und nicht mehr bereit war, in 15 Minuten über 30 Ampeln und mit einem Höllentempo ans andere Ende der Stadt zu rasen.
Bei Inline kann man sich immer mal abmelden. Das ist so gut wie nie ein Problem.
12. Oft mußte ich üble Kombinationsfehler in den Aufträgen fahren, weil er sonst keine anderen Fahrer hatte. So kam es häufig vor, daß ich schon auf halben Weg war und wieder umdrehen mußte um noch etwas herauszuholen. Kam dann eine Kundenreklamation in die Zentrale, so machte der Funker den jeweiligen Fahrer (selten ich, öfter noch andere - hauptsächlich Autokuriere) über Funk zur Sau, während der Kunde noch am Telefon war und sich das anhören konnte. Der Funker war gleichzeitig Disponent, Telefonist, Firmenleiter usw. Einer für alles. Einer hatte die ganze Macht über die Firma, die anderen hatten nichts zu melden. Die Firma war niemals Schuld an irgendwelchen Fehlern. Schuld waren vor dem Kunden ausschließlich die Fahrer. Die Fahrer durften dann bestimmte Kunden nicht mehr anfahren und so kam er selber immer wieder mal in Bedrängnis. Manche Fahrer hatten dann nach der Zeit sehr viele Kunden, für die sie gar nicht mehr fahren durften, nur weil sie aus irgendwelchen Gründen schlecht disponiert worden sind und oft gar nichts dafür konnten. So kam es bei vielen Fahrern regelmäßig zu Nervenzusammenbrüchen über Funk, die nicht schön anzuhören waren. Sogar neue Fahrer begannen oft schon nach ein paar Wochen zu motzen, weil vieles einfach nicht passte.
Bei Inline klären die Fahrer selbst die Sachen mit den Kunden ab und bekommen von der Firma die Telefonnummern.
13. Der Chef da drin erzählte jedem Fahrer Lügenmärchen über die anderen Fahrer in Bezug auf Verdienst und privaten Sachen. So bekam jeder Fahrer ein falsches Bild von seinen Kollegen. Man wußte nie was wahr ist und was nicht. So dachte ich z.B. lange, daß ein anderer in einem Hausboot wohnt, was ich dann Gott sei Dank bei einem persönlichem Gespräch nicht bestätigt bekam. Das war nur eine Sache von vielen. Viele Lügen nehme ich vielleicht jetzt sogar noch als Wahrheit an - keine Ahnung.
14. Es gab inoffizielle Fahrertreffen, von denen die Firma nichts erfahren hat, in denen sich die Fahrer ausgesprochen haben über die schlimmen Zustände in der Firma. Viele Fahrer hörten dann einfach auf.
Bei Inline gibt es regelmäßige Fahrertreffen, die von der Firma ausgehen.
15. Die Firma hat manche Fahrer effektiv um Geld betrogen, wenn sie der Meinung war, daß das an der oder anderen Stelle angebracht war.
16. Es gab sogar handgreifliche Übergriffe zwischen Fahrern und Chef. Die weiß ich allerdings nur vom Hörensagen.
17. Die Firma verleumdet Inline, indem sie behauptet, sie sei mit Scientology in Verbindung, um ihre eigenen Fahrer vor dem Absprung zu bewahren.
So jetzt mach ich mal einen Punkt.
Es gäbe aber durchaus noch mehr.
Ich will damit jetzt grundsätzlich mal keine Werbung für Inline machen, aber ich will ganz eindeutig zeigen, daß es noch viel schlimmer geht, wenn man das Ganze mal relativ nüchtern vergleicht.
So Mischka, ich hoffe Du empfindest das jetzt nicht wieder als eine Egoistenaktion von mir. Aber hauptsächlich wegen den Bedingungen dort in der alten Firma hatte ich damals die Idee mit dem Forum. Und das Forum würde nicht den Sinn und Zweck erfüllen, wenn diese Sachen unerwähnt bleiben würden.
Inline ist gegen die vorherige Firme wie das Paradies! - Wer das nicht nachvollziehen kann, dem kann ich gerne noch ein paar weitere Sachen darüber berichten.
Die oben genannten Sachen sind auch der Grund, warum ich Inline verteidige. Ich glaub das kann jeder verstehen, der noch dazu ein bisschen hinter den Zeilen lesen kann.
Deshalb wird von meiner Seite aus grundsätzlich nichts Negatives über Inline kommen. Wenn wer anders kritisieren will, dann kann er das natürlich tun, Zensur gibt es hier was das betrifft nicht mehr.
Markus
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