Jo Alex,
hab gerade noch mein Schlechtwetter-MTB ein bisschen gewartet.
Morgen haut es laut Wetterbericht 7mm Wasser runter bei starkem Wind und 5-7 °C. Da muß dann schon das gute Material um die Beinchen.
Muß morgen früh evtl. noch Pedale umrüsten, weil ich für das Rennrad kein Schutzblech hab. Oder ich geb mir die Naturgewalt Regen mal wieder bis zur Unterwäsche und stell mir als Motivation vor, daß ich als Retter der Welt sowas einfach durchmachen muß.
Ich hoffe die Ausrüstung macht morgen mal keine Zicken.
Heute ist meine Thermohose hinten am Hintern leicht eingerissen.
Da war schon länger eine Stelle, die durchgerieben war und jetzt bildete sich ein Loch. Es ist schon ein bisschen unangenehm, wenn man beim Rausgehen vom Kunden weiß, daß der jetzt evtl. einen Teil des blanken Hinterns begutachten kann. Bin deshalb heute schon nach dem 3. Auftrag Heim gefahren. Bin zwar nicht scheu oder sowas, aber weißt ja wie es ist. Ab sofort muß ich über die Hose also was drüberziehen, was bei angesagtem Wetter aber ohnehin Zwang wird...
Obwohl ich heute nur etwa 40-60km gefahren bin hat mich das ganz schön geschlaucht. singlespeed 52x16 haut schon ganz schön rein. Das heftige daran ist, daß ich eigentlich so gut wie den ganzen Tag kein einziges Mal eine ordentliche Trittfrequenz damit fahren kann. Manchmal nicht einmal bergab. Das ist Kraftausdauertraining pur und ich spüre, daß meine Waden und Oberschenkel hart werden ohne Ende und dicker. Was mich ein bisschen stresst daran ist das Losfahren an der Ampel. Es gibt jetzt immer mehr Radler, die da kurz schneller weg kommen wie ich und das ist keine so gute Bestätigung der eigenen Leistung irgendwie. Auch bei Kurzstrecken z.B. in Wohnungsblöcken, wo man öfter hin und her muß zum Suchen ist die Übersetzung ein bisschen nervig finde ich und ich komme mir vor wie eine lahme Ente, die zwar schneller sein will, aber keine Chance bekommt. Aber es hat sein Gutes. Es gibt wohl kaum ein rigoroseres KA-Training als das. Nur kann ich es wie es aussieht nicht mehr lange so weiter machen, weil durch den Schnee die Sache noch heftiger wird und dann bin ich wohl besser bedient, wenn ich wieder mit 18 Zähnen hinten fahre oder mit dem MTB, das ich jetzt winteroptimiert auf 42x15 eingestellt habe. So bin ich letzten Winter auch zu Ende gefahren und das hat ganz gut geklappt, soweit ich das in Erinnerung habe. Was mir aber auch auffiel mit so einer hohen Übersetzung ist, daß ich dann die Ruhe selbst bin bei langsamer Geschwindigkeit. Ich bin so ruhig, daß ich aufpassen muß, daß ich nicht dabei einschlafe. Das Gehirn muß einfach weniger arbeiten bei einer kleinen Trittfrequenz, so kommt es mir vor. Ich quetsche dann zwar viele Kräfte raus bei Anstiegen, z.B. am Friedensengel, bleibe aber in einer gewissen Weise geistig erholt. Schnelle Trittfrequenzen fordern das Gehirn enorm. Nicht umsonst hält man mehr als 100 Umdrehungen pro Minute rund getreten nicht sehr lange durch. Die Koordination fordert einfach.
Ich merke auf jeden Fall, daß ich mit der Übersetzung nicht 5 Tage Vollzeit fahren kann, das ist für mich jetzt so gut wie unmöglich. Es wäre zu schaffen mit viel Kampfgeist, aber ich glaub ich muß meine Kräfte wieder mal etwas anders fokussieren, sonst sieht es bald noch mauer aus im Geldbeutel als ohnehin schon. Es ist schon verrückt. Ich hab mein hinteres Laufrad jetzt in 6 Monaten durchgebremst, obwohl es mir vorkommt, wie wenn ich die letzten Monate absolut nicht voll Power gefahren wäre. So geht es bei mir nicht weiter. Mein nächstes Rad bekommt Scheibenbremsen.
Ich schau mal. Der Schnee bleibt ja selten gleich liegen.
Bis Januar oder so geht es vielleicht noch mit dem Rennrad.
Das wäre dann mein erster Winter mit Rennrad.
Das will ich unbedingt mal ausprobieren, hab aber keine Lust Kopf und Kragen dabei zu riskieren.
Bei richtig dickem Schnee ist singlespeed einerseits optimal, weil die Kälte keine Schaltung blockieren kann, andererseits muß die Übersetzung relativ klein sein, sonst hängt man bei jeder Stelle mit dickem Schnee in den man einsinkt fest. Im Winter muß man oft noch mehr anfahren und bremsen, weil man ständig den Weg wechseln muß, um einen zu wählen der befahrbar ist. Das geht mit singlespeed noch mehr auf die Substanz, vor allem immer gerade auf die Kraft. Kreatinphosphat und Glykogen sind da schneller verpufft, wie wenn man schön seine 65-90 Umdrehungen treten kann. Aber ich hab mich selber ein Ei gelegt und die alte halb kaputte Schaltung letztens in den Müll geworfen. So kann ich nicht mehr aus und muß da irgendwie durch. Jetzt brauch ich bloß noch genügend zum Essen

Adun