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Ich muss feststellen, dass ich eine emotionale Bindung zu meiner Arbeit entwickelt habe. Eigentlich möchte ich ja zurück in den Freistaat und "mal was richtiges" arbeiten und dazu erst einmal richtig studieren, aber, als ich heute ankündigte: "Ich brauche ein paar Wochen frei, um mich um die Wohnungs- und Studiensituation in München zu kümmern..." und der Funker so reagierte: "Wir brauchen aber Leute..." kurze Pause, dann: "Du ziehst um, nach Deutschland?" "Ja." "Dann vergiss es, dann hat sichs erledigt..", war ich echt den Tränen nahe. Nicht, weil sie mich einfach gehen lassen würden, oder so. Nein, weil ich dann verlassen müsste. Und all die hupenden Autofahrer dazu. Und das dämliche Gerüttel am Michaelerplatz mindestens 10 mal am Tag, dass ich so lieben gelernt habe. Und den Wind, mit dem man keine zwanzig km/h in Westrichtung schafft... Ich hätte nie gedacht, dass es eine kapitalistische Molochung auf dieser Welt geben würde, die ich lieben könnte. Aber ich tue es. Radkuriere sind allesamt miese Schweine. Sie fahren über rot, auch wenn sie Gefahr laufen, dass dadurch eine ganze Kolonne Autos noch mit dem anfahren warten muss. Egoisten, die gegen die Einbahn oder nur achtundfünfzig Millimeter an dem schreienden Kind vorbeisausen, und, ohne mit der Wimper zu zucken auf den tausend Jahre alten Rathausplatz spucken oder pinkeln, wenn es gerade sein muss oder eben dringend ist. Ja, genau, weil wir jeden Tag etwas leiden müssen, ein kleines Stückchen von unserem Körper für unser eigenes Freiheitsgefühl abverlangen, deswegen machen wir das. Wir fressen wie die Wilden, und ich kanns mir bei keinem Kebab- oder Pizzaladenbesuch verkneifen zu sagen: Aber bitte eine Schicht extra Käse drauf, ich habe viel Hunger. Eine Ode an jeden Kurier dieser Welt, machts weiter so.
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