bensch hat geschrieben:
oder ob es überhaupt sinnvoll ist so etwas zu entwickeln.
Mal völlig unabhängig von der Frage wie so ein Gerät konkret aussehen könnte.
Für
zeitoptimiertes Vorankommen in einer Stadt sind die vorhandenen Kartendaten nur sehr bedingt brauchbar. Zwar gibt es z. B. bei Taxifahrern mittlerweile verstärkten Einsatz von GPS-Geräten, diese sind aber - im Gegensatz zu Kurierfahrern - gehalten die kürzesten Strecken zu fahren weil die Kunden im Prinzip nach gefahrenen Kilometern zahlen.
Bei einer (Fahrrad-)Transportfahrt wird zwar eventuell auch nach Entfernung abgerechnet, es kann aber durchaus Unterschiede zwischen zum Kunden hin abgerechneter Wegstrecke und effektiv gefahrenem Weg geben.
Ein effektives Routingsystem, um in einer Stadt mit dem Fahrrad zeitoptimiert vorwärts zu kommen, müßte nicht nur die regulären Straßenführungen berücksichtigen, sondern auch diverse "semilegale" Querverbindungen die dem Kfz-Verkehr definitiv nicht zugänglich sind. Dementsprechend sind in klassischem, routingfähigem Kartenmaterial derartige Wege nicht drin.
Außerdem reicht es oft nicht aus eine Straße einfach nur als "eine Straße" anzusehen sondern es gibt verschiedene Möglichkeiten sie zu befahren: Man kann die Fahrbahn nutzen. Man kann einen straßenbegleitenden Radweg nutzen. Man kann auch mal die Seite wechseln und ein paar Meter schieben. Manche Kreuzungen lassen sich mit dem Rad "abkürzen" indem man kurz zum Fußgänger wird. Überhaupt sind Ampelschaltungen und "grüne Wellen" ziemlich wichtig für die effektive Fortbewegungsgeschwindigkeit. Sowas gibt das durchschnittliche Kartenmaterial nicht her und ich kann mir auch nicht vorstellen daß man sowas so schnell da reinbekommt. Es würde eine völlig andere Modellierung des Kartendatenbestandes erfordern.
Richtig wüst wird es dann in Städten wie z. B. Berlin wo es für Fahrten in die Außenbezirke teilweise sogar probat sein kann mal ein Stück das Rad mit der S-Bahn mitzunehmen. Zum Beispiel Richtung Potsdam raus. Ein System was auf Fahrzeit optimiert müßte da quasi auch noch den Bahnfahrplan berücksichtigen.
Viel interessanter als das Routingthema scheint mir die Frage einer effektiven gerätegestützten Disposition zu sein. Es gibt mittlerweile einige Kurierdienste die nicht mehr sprachbasiert, sondern z. B. mittels Blackberry-Geräten ihre Aufträge zu den Fahrern kommunizieren. Was eine Teilautomatisierung von Disposition und Zentralenbetrieb ermöglicht. Da wären möglicherweise noch intelligente Gerätschaften interessant die sich am Lenker befestigen lassen, wetterfest sind, leicht mit an ein konkretes Einsatzgebiet bedarfsabhängig anpaßbarer Software zu bestücken sind, effektive Interaktionsmöglichkeiten vorsehen usw.
Die Frage ist nur ob solche Spezialentwicklungen jemals irgendwer wird bezahlen wollen. Das Kuriergeschäft, egal ob nun Fahrrad oder Kraftfahrzeug, ist ein Gewerbe mit intensivem Preisdruck. Und der Zielmarkt ist begrenzt, d. h. ein potenzieller Hersteller kann nicht gerade darauf hoffen spezialisierte Produkte millionenfach verkaufen zu können. Von daher eigentlich ein Themenfeld welches aus betriebswirtschaftlicher Sicht ganz fürchterlich unattraktiv ist.